Extrem Belgisch … Radcross -WM in Heusden-Zolder

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Mit der langjährigen Freundin, die meinen wiederkehrenden Faible für Schmutz, Nässe und Kälte nicht wirklich teilt, aber mit fröhlicher Neugier geschlagen ist, und dem Pop Skurrilisten prieditis treffe ich mich am letzten Samstag im Januar in Köln hinterm Hauptbahnhof an der Wurstbude. Kurz nach Neun. Mit Gummistiefeln und dem kleinen Handgepäck – ich habe noch die optischen Gerätschaften dabei, für die ich vorsorglich Regenjacken beschaffe – reisen wir nach Belgien,  zur Cyclocross Worldchampionchip 2016 in Heusden-Zolder. Das Wetter ist so, wie es belgischer nicht sein kann: sehr windig, kühl und extrem nass. Perfekt.

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Pünktlich zum Start der Frauen U23 öffnen noch die letzten Schleusen des Himmels. In den meisten Sportarten würden die Veranstaltungen wohl wegen schlechten Wetters sofort abgebrochen werden. Nicht beim Radcross. Je mieser das Wetter, um so besser. Es wird etwa eine Stunde volle Pulle gefahren, alles was Herz, Lunge und Beine hergeben wird gnadenlos abverlangt. Meine Herren. Nein, Quatsch, es ist ja noch Damentag. Die Strecke ist spektakulär, viele Kurven, Schikanen, Anstiege, auf denen ich zu Fuß ohne Rad kaum hochkäme; alles bestens präpariert, Luftkissenpolster am Rand geben einen guten Schutz bei Stürzen oder einfach bei zu hoher Geschwindigkeit in der Kurve.

Jessica Lambracht (Startnummer 35) kämpft sich auf einen respektablen 10. Platz vor. Gewonnen hat dieses Rennen die Engländerin Evie Richards.

Der Regen ist so stark, dass wir auf das Damen – Eliterennen (Siegerin Thalita De Jong- NL, Elisabeth Brandau auf Platz 15) wegen ertrunkener Technik und vollständiger Durchnässung verzichten und uns nach Leuven begeben, um  im warmen Hotel  zu trocknen. Dazu müssen wir das Auto allerdings ein wenig entfernt abstellen und das Gepäck (meine Tasche ist ungewohnt ( 😉 ) schwer, was Herrn prieditis vermuten lässt, dass ich in Belgien sehr viele Bücher lesen möchte) etwa eine halbe Stunde über Kopfsteinpflaster  wuchten. Schließlich sind auch die Sachen in den Taschen komplett nass, meine kleine Kamera liegt im Koma, das Handy der Freundin muss gefönt werden, wie auch meine Hose, um überhaupt etwas Trockenes am Leib zu haben… Das Zimmer ist groß, modern, also mit WC im Zimmer (!) und ich liege im Bett in einer Art Steckkissen für Erwachsene. Die Nacht ist kurz. Die Handballer sind Europameister und Angelique Kerber hat Wuchtbrumme Serena Williams bei den Australien Open besiegt. Sonstige Nachrichten aus dem Rest der Welt haben keinen Raum. Außer:  Ein Rad einer U23- Fahrerin ist mit einem E-Motor im Rahmen gedopt. Tsss.

Am Sonntag, sind schon wesentlich mehr Radsportbegeisterte unterwegs, aus den Zelten dröhnt akustisches Zeug, welches ich für komplett ausgestorben hielt (tatsächlich doch „Humptahumpta tättärä…“). Glühwein, Bier, Cola, der Dunst von Fritten und Bratwurst bilden eine schwere Wolke, in der sich der mittlerweile schwächelnde Regen verfängt. Zwei Stunden vor dem Start der Herren-Elite finden wir einen guten Platz an der Strecke, um dieses einstündige Rennen der wie entfesselt fahrenden Jungs zu bejubeln. Dicht gedrängt.

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Über sechzigtausend Zuschauer sind aus dem Häuschen. Was für eine unglaubliche Atmosphäre bei extrem spannendem Verlauf. Der Sieg wird erst in der letzten Runde entschieden, als der 21jährige Belgier Wout Van Aert  beim Laufen mit dem geschulterten Rad schneller ist als sein Kontrahent und das Rennen vor Lars Van der Haar (NL) und Kevin Pauwels (BE) überglücklich gewinnt.

Der amtierende Weltmeister Mathieu Van den Poel (NL) wird vor seinem Bruder David Fünfter.

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Marcel Meisen schafft einen tollen 10. Platz. Respekt und Glückwunsch an alle Fahrerinnen und Fahrer.

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Wout Van Aert

Es bildet sich nun ein langer Strom in den grauen Sonntag…