Der Rücken. Das Interview

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rücken-29 Guten Tag. Sie sind  der unangefochtene Star hier in diesen Prachthallen. Ein Kongress extra wegen Ihnen. Ist Ihnen diese extreme Aufmerksamkeit unangenehm? Wo denken Sie hin?  Alle – außer die wirbellosen Weicheier – sind auf mich angewiesen, jeder kennt mich, hat mich, verbiegt mich, rückt mich gerade, macht mich krumm, hält mich hin. Jeder braucht mich. Nicht jeder schätzt mich, nicht jeder ist nett zu mir,  ich werde gefürchtet, verachtet und geliebt. Ist doch herrlich. rücken-21 Sie machen sich also keine Sorgen um Ihre Zukunft?  Nein. Ich habe auf jeden Fall eine. Und ich bin nicht nachtragend. Sehen Sie sich um hier:  Diese   enormen Anstrengungen um mein Wohlergehen, vermeintlich und tatsächlich. rücken-19 Es sind faszinierende Konstruktionen  erfunden worden, um meine geborstenen Bestandteile zusammenzuhalten, rücken-12 unnatürliche Verbiegungen meinerseits zu begradigen, dabei die in mir verlaufenden Nervenbahnen zu schonen, verloren gegangene Bandscheiben durch Biomaterialien zu ersetzen beziehungsweise zu reparieren, ganze durch Verschleiß ausgefallene Abschnitte zu versteifen, damit die Schmerzen verschwinden oder ertragbar sind und so weiter… rücken-7 Oh, ja, ich hörte dabei kommen 3D- Drucker zum Einsatz. Unglaublich, finden sie nicht auch? rücken-9 rücken-17 Tja, der Wunsch – nein eigentlich ist das ein Befehl –  nach einem schmerzfreien, unversehrten Dasein bis ins hohe Alter, möglichst  ohne Mühen, lässt für jedes neue Problem ein neues Zentrum entstehen. Dort kriegen Sie geholfen. rücken-18 Das wird die Zukunft sein. Haben Sie denn ein paar Tipps, mit denen wir Sie uns lange gewogen halten können? rücken-13 Nö. Offenbar finden es alle in Ordnung, dass für menschliches Heil  meine Kollegen der großen Vierbeiner herhalten müssen. Skandalös oder?rücken-30 Danke für das Gespräch.