Archimedes

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„Gebt mir einen festen Punkt, und ich werde die Welt aus den Angeln heben.“
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Ja, also ich kann Ihnen in Ihrer Angelegenheit gerade nicht helfen. Mir sind da einfach die Hände gebunden.

Am letzten schönen Sommersamstagabend halte ich, mit Assistentin Lana an der Seite, entspannt Ausschau nach einem geeigneten Platz für Stativ und Kamera, am Seeufer zur goldenen Stunde.
Noch ein paar hundert Meter vielleicht bis zum Ziel. Das Licht reicht bis dahin. Ein kühles Getränk wartet am Pier.

Wenn eine große Kraft am kurzen Hebelende wirkt, kann das lange einen weiten Weg mit hoher Geschwindigkeit zurücklegen, bis zum Aufschlag.

Archimedes hat vier Beine und ist recht groß. Auch schnell. Möglicherweise hat er meine Vorliebe zur Mechanik instinktiv verinnerlicht.

Dreh-und Angelpunkt liegen nun unterhalb der Kniegelenke. Ich schlage mit einer Nanosekunde Staunen bis in die Haarwurzeln, wiederum auf den Angelpunkten für Sehnenarbeit an meinen Handgelenken auf. Sie geben nach, wie sich später herausstellt. Beidseits. Das niedliche Erbsenbein, das Dreiecks- und das Hakenbein. Nicht verschoben.
Die Kamera kommt kurz nach mir an, und überlebt Dank Stativschelle und GeLi. Ich mache ein paar wirre Aufnahmen, auch von Archimedes, irgendwo weit entfernt treffe ich auf den netten Besitzer, der sich betroffen entschuldigt, Formalitäten werden getauscht und ich kühle meine inzwischen deutlich schmerzenden Hände am großen Radler. Daheim wird notdürftig verbunden. Das Kahnbein ist ganz geblieben. Da bin ich mir sicher. Dennoch gerate ich von der Rolle. Was soll ich ohne Hände tun?
Ich finde Trost.
Am nächsten Tag Notfallklinik, CT, Diagnose nach rasend schnellen 3,5 Stunden, Schienen, 4 Wochen.
Radfahren fand ich schon immer doof.

Hausarbeiten vermisse ich nicht, ich werde bestens umsorgt. Die Finger kann ich für die Arbeit benutzen und der Schmerz lässt nach…

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