Warteraum.Interview mit einem Waran

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Sie haben es schön warm hier. Da kommt man besonders bei dieser Witterung gerne zu Besuch. Sind Sie zufrieden mit diesem Zuhause?

Mir bleibt nichts anderes übrig. Ein wenig mehr Platz hätte es schon sein können. So komme ich nie auf meine zwanzig Sachen.

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Ich sehe Sie aber überwiegend herumliegen und eher gemächlich schlendern. Sie könnten doch auch auf dem begrenzten Raum flitzen, Oder?

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Mir fehlt eine üppige Beute, der ich nachsetzen kann, um sie in ihre gespannten Achillessehnen zu beißen und ihr flugs meinen wunderbaren Blutverdünner ins Fleisch zu pumpen.

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Außerdem würde ich gerne mein Maul sperrangelweit aufreißen, aufgeblasen herumposen, um die Konkurrenz fern zuhalten. Aber so habe ich, wenn ich gerade gestartet bin, die Scheibe schon erreicht und von Artgenossen keine Spur.

Sind sie nicht froh, dass Sie keinen Stress mit Rivalen haben?

Nö. Im Gegensatz zu Euch Menschen, die überhaupt keinen Stress mehr aushalten, gleich krank werden und früher sterben, lebe ich in dieser schlichten Lebensweise mit regelmäßiger, toter Nahrung und fehlender Auseinandersetzung ums Revier und Weibchen nicht sehr lange.

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In meiner Heimat werden die Verwandten so um die vierzig Jahre alt. Meine Zeit ist etwa nach zehn Jahren abgelaufen. Das ist doch Mist. Gut, vielleicht habe ich Glück. Die Bude hier ist nicht ganz schlecht.

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Oh, das tut mir leid. Haben Sie nicht etwas Freude und Zerstreuung an Ihren vielen Besuchern?

Ach was! Die wissen ja oft nicht, wer ich überhaupt bin. `Kormoran´ oder `Katamaran´nennen die mich. Das ist doch furchtbar. Und wie die aussehen… Die rennen ihrer Nahrung auch schon lange nicht mehr hinterher, aber im Gegensatz zu mir füttern die sich um so reichhaltiger und leben l ä n g e r. Ungerecht.

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Euer Nachwuchs sollte, ähnlich wie bei uns, vor den Alten flüchten. Wir fressen die Brut, wenn sie nicht schnell genug verschwindet, mitunter auf. Mindestens ungesund ist die Nähe zu den Elterntieren bei Euch doch auch, finde ich.
Sie übertreiben.

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Ihr Menschen braucht solche Typen wie mich doch auch, damit Ihr einen Grund habt, solche Hütten wie hier zu bauen, um bei mir, also vor meiner Scheibe, gemütlich überwintern zu können.

Das stimmt. Nicht ganz. Wir wollen die Menschen auch ermuntern, Ihre Lebensräume zu erhalten, und die vieler wunderbarer Arten auch.

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Finden Sie das nicht in Ordnung?

Papperlapapp.
Ich habe gehört, sie haben Hunde. Können Sie die mir nicht herbringen, damit ich sie fressen kann? Ich würde dann auch ein wenig mit Ihnen spielen. Ja, doch, Verspieltheit wird mir nachgesagt. Ihr Weibchen wollt doch jahrelang in der Wildnis mit fremden Wesen leben, alles über sie herausfinden, Bücher schreiben oder dabei gar umkommen. Wölfe habt Ihr sehr früh schon auf Eure Seite gezogen und albern umgemodelt.
Domestizieren lassen würde ich mich nicht mal von Ihnen.

Danke für das Gespräch. Sie haben nette Nachbarn hier.

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