Quarantäne 2

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zone3

Selbstverständlich werde ich gewinnen. Aber meine Fresse, so musste ich mich noch nie anstrengen, um diese arroganten Proteinhüllenhorden niederzuringen. Das verlangte meine ganze Aufmerksamkeit in geschlagenen drei Wochen an wechselnden Fronten.
Meine Kollegin musste bereits kapitulieren, weil die Viren größere Verbündete fanden, die es sich in den Alveolen gemütlich machten bis die Luft knapp wurde. Mir passiert sowas nicht, tröstete ich vollmundig und
hielt den Betrieb wie eine sechsarmige Gottheit aufrecht.

rettung

Die Straßen und Plätze leeren sich. Parkplätze sind ohne Not zu bekommen und mit zunehmender Flüssigkeitsansammlung im Kopf und seinen Nebengelassen fühlte ich mich schrumpfen. Offenbar fegt eine gemeine Welle übers Land, jegliche Gesundheit mit sich reißend. Ich hätte mich besser tarnen sollen, einfach so tun, als sei ich schon krank oder ein Tier. Dann hätten die Menschen mehr Abstand gehalten, all die Socken auf meinem Schreibtisch, die erzwungenen Händedrucke und frontalen Nießer und Huster wären nicht durchgekommen. Ich hielt mich für unverwundbar. Dank Drachenblut. Irgendein Hagen hat gepetzt. Und nun ging gestern noch meine Stimme verloren.
Rabenartig dringt sie hin und wieder aus dem geschundenen Schlund. Gut, denke ich im OP bin ich vermummt und kann schweigen. Das ist erholsame Routine, mit Eukalyptus hinterm Mundtuch.
Ich werde sehen, ob ich morgen mit rohem Brustkorb die gelbe Fahne hisse und die Türen verbarrikadiere. All den Schreibkram lasse ich gewissensfrei mit leichter Häme liegen.

lana

Die Tiere haben sich entspannt um mich versammelt, es streifen mich tröstende Blicke, ein gereichter Tee verheißt Linderung. Ich verlass mich drauf.
buch Und blättere bevor ich mich in die Husten geschüttelte Nacht wälze in jenem kleinen Buch mit wunderbaren Fotografien über Kleinheiten in der großen Welt. So träume ich im Fieber.