Ich

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bin dann mal hier.

Und genieße den ersten rinnenden Abend des frisch gefallenen Jahres mit der vielversprechenden Dreizehn im Schlepptau in vollen Zügen. Selbst gebackener Apfel-Quark-Mohn-Streuselkuchen wartet nach Abkühlung vielleicht auf nächtlichen Verzehr bei einem spannenden Film, um allerdings in Thymian – Quittengelee – Rotwein – Liquidum weich und knusprig gewordenen Entenbeinen den Vortritt zu lassen. Nein, Weihnachten wurde nicht genug gegessen. Morgen streckt der Arbeitsalltag gnadenlos seine Griffel aus. Bis Mittag. Dann lasse ich mich erneut entspannt zurücksinken. Ich habe noch keine Lust, die wohlige Atmosphäre der Warmlicht flackernden Stube so unwiderruflich  wegen der unaufhaltsam abnehmenden Menschengesundheit zu verlassen. Der Kühlschrank ist noch voll. Bewegung gab es im verstorbenen Jahr ausreichend. Ja doch, ich habe eine Schwimmhalle ins Visier genommen, in der ich durch strebsame Nutzung des Auftriebes der Schwerkraft wenigstens ein kleines Schnippchen schlagen möchte. Einmal die Woche wäre nicht schlecht. Am Jahresausklang unternahm ich in einem nicht weit entfernten Aquazentrum nach jahrelanger Wasserscheuheit -ich erliege schnell einem gewissen Ekel durch allzu große Nähe konturlosen Menschenfleisches – den Versuch, zügig ein wasserhaltiges, fünfundzwanzig Meter langes Chlorbecken zu durchpflügen. Ausgestattet mit Kappe und Spezialbrille. Inkognito quasi. Nach tausend Metern war ich ausreichend weich und suchte Entspannung in der großzügigen Saunalandschaft.

Mein Vorrat an Handtüchern war schnell erschöpft. Ich landete, da ich ohne meine Alltagsbrille nicht lesen konnte, in einer Eukalyptussauna. Die Chlornase war sofort frei. Ich hielt es ziemlich lange aus, allerdings nicht lang genug, um zu erleben wie ein im Lotossitz entrückter Herr seine Position änderte. Alle vor mir und nach mir Gekommenen waren schon raus. Keine Chance. Nun, vielleicht lebte er auch nicht mehr. Ich fand meine abgelegte Brille wieder, schlenderte ins Tuch gehüllt durch die feucht dampfende Landschaft und fühlte mich durch die große Zahl offenkundig vom Priapismus „geplagten“ Männer irgendwie unwohl, mied alle Whirlpools und versuchte im Zehn-Sekunden-Rhythmus der Dusche meine plötzlich aufkeimende Herpesphobie wegzuspülen und hastete, eilig in die Sachen geschlüpft, zum Auto. Da muss ich nicht nochmal hin.

Jetzt die Ente… und ein Prosit auf das kommende Jahr.